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Rat und Tat bei großen und kleinen Lebenskrisen
Team der Pforzheimer
Telefonseelsorge sucht Verstärkung
„Man sollte Zuhören können ohne
Vorurteile zu haben“
Von unserer
Mitarbeiterin Meike Reuter
Sie werden angerufen, wenn niemand anderes zuhören will. Bei ungewollten
Schwangerschaften, Streit in der Beziehung, Selbstmordgedanken, bei
Gewaltproblemen, Jobverlust, Trauer. „Manchmal sind es auch nur kleine Krisen,
die die Menschen beschäftigen“, erzählt Pfarrer Johannes Müller, hauptamtlicher
Leiter der Telefonseelsorge Nordschwarzwald. Wenn zum Beispiel der Hund
eingeschläfert wurde und die Trauer um den treuen Gefährten bei Freunden und
Verwandten auf Unverständnis stößt. Dann hilft es, wenn am anderen Ende der
Leitung jemand sitzt, der einfach nur zuhört. Der nicht die ganze
Lebensgeschichte kennen muss, sondern der sich auf das konkrete Problem
konzentrieren kann.
In der Pforzheimer Geschäftsstelle der Telefonseelsorge arbeiten über 60
Ehrenamtliche. 90 Prozent sind Frauen. Viele arbeiten schon lange hier, wie
Gabriela Lux, die seit sieben Jahren ihren Anrufern ein unvoreingenommenes,
offenes Ohr leiht und mit ihrer eigenen Lebenserfahrung dem Menschen am anderen
Ende der Leitung im Gespräch Mut und Zuversicht vermittelt. Dabei schützt beide
Seiten die Anonymität. Sie öffnet einen geschützten Raum, der Platz für Gefühle
und Fragen lässt, ohne persönlich zu werden.
Um als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Telefonseelsorge zu arbeiten, sollte
man vor allem „Interesse an sich selbst und an anderen haben, Zuhören können
ohne Vorurteile zu haben und nach außen hin schweigen können über das, was
einem anvertraut wurde“, fasst Gabriele Lux zusammen.
„Man muss auch bereit sein, sich selbst kennen zu lernen, den Blick nach innen
zu richten. Man muss sich darauf einlassen können und der Prozess der
Auseinandersetzung mit den eigenen Ich ist nicht ganz leicht“, erklärt Pfarrer
Johannes Müller. Vor allem aber sollte man Zeit mitbringen. Die Ausbildung zum
Telefonseelsorger erfolgt in 15 Monaten, immer an einem vollen Wochenende im
Monat. In den ersten sechs Monaten hilft eine Psychotherapeutin bei der
Begegnung mit sich selbst. Es werden Stärken, Schwächen und der jeweilige
Lebensweg in der Gruppe besprochen. In weiteren sechs Monaten lernen die
Teilnehmer die Arbeit am Telefon – wie werden Gespräche geführt, wie wird dem
Anrufer vermittelt, dass er angenommen und verstanden wird. Dabei werden die
Telefonseelsorger, die rund um die Uhr, Tag und Nacht im Einsatz sind, nicht
allein gelassen. In schwierigen Situationen können sie sich immer auf Hilfe
verlassen und selbst im Team bei den Supervisionstreffen Dampf ablassen, wenn
zum Beispiel zu viele Scherzanrufer die Nerven strapazieren oder ein besonders
schweres Gespräch auf der eigenen Seele liegt. „Bei mir hat die Arbeit bei der
Telefonseelsorge die Haltung zum Leben grundlegend verändert. Ich kann mit
vielen Dingen besser umgehen“, erklärt Lux.
Das Team braucht Verstärkung. Infos gibt es unter der Rufnummer (0 72 31) 10 28
22 oder www.telefonseelsorge-nordschwarzwald.de
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MUT UND ZUVERSICHT vermittelt Gabriela Lux den Anrufern bei der Telefonseelsorge. Foto: Reuter |

