Schattenzeiten - Film im Kommunalen Kino

Raus aus dem Jammertal

Der Film „Schattenzeit“ thematisiert Depression als schwere Erkrankung – Diskussionsrunde mit vielen Zuhörern

Er hatte einen Strick im Schlafzimmer aufgehängt, erinnert sich Olaf. Als Ausweg aus der Depression. Jederzeit, so seine Vorstellung, hätte er seinem Leben ein Ende setzen können. Als er nach Monaten aus der Psychiatrie wieder nach Hause kam, habe er verstanden, wie belastend das Seil für seine Familie gewesen sein muss.

Drei Schicksale      Der Berliner Regisseur Gregor Theus wollte ursprünglich einen Anti-Film drehen: gegen Psychiatrien und gegen die Elektrokrampf-Therapie (EKT), im Volksmund unter dem Begriff Elektroschocks bekannt. Er hat sich deshalb drei Jahre lang mit Menschen beschäftigt, die schwer depressiv in der Berliner Charité stationär behandelt werden. Menschen, die mit Psychotherapie und teilweise mit Medikamenten nicht erreicht werden. Herausgekommen ist ein einfühlsamer Film mit dem Titel „Schattenzeit“, über die Protagonisten Olaf, Mona und Maria. Drei Krankheitsgeschichten, drei Schicksale. Und die EKT-Behandlung als letzter Hoffnungsschimmer. Ein Film, der mit den gängigen Vorstellungen von Psychiatrien nichts zu tun hat. Theus diskutierte am Montagabend zusammen mit dem Leiter der Eutinger Tagesklinik für Psychiatrie, Christoph Warmke, und der Telefonseelsorgerin Carola Bauer im restlos besetzten Kommunalen Kino über das Thema Depression. Die Journalistin Ina Rau moderierte.

Ohne Schlaf, ohne Gefühl    Der einstündige Film, der auf Initiative der Telefonseelsorge Nordschwarzwald und dem Freundeskreis der Telefonseelsorge gezeigt wurde, hatte bei den Zuschauern viele Fragen ausgelöst. Den Kranken nicht alleine lassen, und nach seinen Suizidgedanken fragen, sei hilfreich, sagte Warmke. Gefühllosigkeit, Schlafstörungen, sozialer Rückzug: Das könnten Hinweise für eine Depression sein. Immer öfter meldeten sich Verzweifelte aus Stadt und Region bei der Telefonseelsorge. Mitarbeiterin Carola Bauer sucht im Gespräch zusammen mit dem Anrufer nach positiven Aspekten in seinem Leben. Wenn da gar nichts komme, dann müsse man die Verzweiflung des Gegenübers einfach aushalten.

Jungregisseur Theus hat depressive Menschen erlebt, die kaum mehr zu einer Bewegung oder zum Reden fähig waren. Von selbst werde dieser Zustand nicht besser, weiß er. Deshalb sagt Olaf an seiner Stelle, müsse er aktiv aus dem Jammertal herausfinden. „Diesen Menschen eine Stimme geben“, die Krankheit als eine entlarven, die jeden treffen kann. Das ist sein Anliegen. Und deshalb will Theus Infos über die Krankheit auf DVD zusätzlich zum Film herausgeben.       Martina Schaefer

  
Informieren über Depression:
Carola Bauer, Christoph Warmke, Ina Rau und Regisseur Gregor Theus (von links)                             Foto: Ketterl